Der Kauf eines chinesischen Unternehmens ist oft der einfachste und schnellste Weg, den chinesischen Markt zu penetrieren. Wer in China ein Unternehmen kauft, erhält nicht nur wertvolle Marktanteile, neue Vertriebskanäle und Kundenbeziehungen, sondern häufig auch die Möglichkeit, in neue Segmente zu diversifizieren. Dazu kommen wichtige Beziehungen zu den relevanten Behörden. Mergers & Acquisitions eröffnen westlichen Unternehmen in China deshalb in der Regel weit überdurchschnittliche Perspektiven des Wachstums.
Risiken bei M&A in China
In China haben Unternehmenskäufe und Beteiligungen aber auch vielfältige und erhebliche Risiken. Die Tabelle zeigt die wichtigsten.
| Wirtschaftliche Situation | Geringe Effizienz und Rentabilität. Häufig versteckte Altlasten und Sanierungserfordernisse. Abhängigkeit des Unternehmens von staatlichen Subventionen, die jederzeit entzogen werden können. | |
| Eigentumsverhältnisse | Oft verschachtelte, nicht transparente Eigentums- und Beteiligungsverhältnisse zwischen Unternehmen, Familien, Clans und Personen. Unklare Landnutzungsrechte. | |
| Unternehmensumfeld | Massive staatliche Eingriffe möglich. Korruption, Einfluss von Guanxi. Große regionale Unterschiede. Keine ausreichende Rechtssicherheit. Engpässe bei Rohstoffen, Wasser und Energie. Drohende Restriktionen durch rigide Umweltgesetze. | |
| Wettbewerbssituation | Oft sehr hohe Wettbewerbsintensität, ruinöser Preiswettbewerb, große Marktrisiken. Bestehende oder drohende Überkapazitäten. Import- und Exportrestriktionen, besonders hinsichtlich USA und EU. Bedrohung durch Produkt- und Markenpiraterie. | |
| Finanzen | Kein oder zu geringes Eigenkapital, hohe Verschuldungsgrade, nicht einzubringende Außenstände. Unzureichende mittelfristige Finanzplanung. Keine Diversifizierung bei der Finanzierung, dadurch extreme Abhängigkeit. Intransparenz durch fehlende oder unzureichende Kosten-, Erlös- und Liquiditätsplanungen. Keine Lageberichte und Ad-hoc-Berichterstattung. | |
| Management | Fehlende fachliche und persönliche Qualifikation der Manager. Keine tragfähige Strategie, sondern kurzfristige Orientierung an einzelnen Deals. Unprofessionelles Management aus dem Bauch heraus. Uneffektive innerbetriebliche Kontroll- und Steuerungsinstrumente. Unzureichende IT-Unterstützung. | |
| Human Resources | Mangel an qualifizierten Fach- und Führungskräften. Fehlende Erfahrung der Mitarbeiter, hohe Fluktuation. Abfluss von Know-how. In vielen Bereichen steigende Lohnkosten, besonders in den boomenden Küstenregionen. Zwang zur Beschäftigung überflüssiger, unqualifizierter oder leistungsschwacher Mitarbeiter. | |
| Leistungserstellung | Genehmigter Umfang der Geschäftstätigkeit unklar. Häufig Qualitätsdefizite, Auslastungsprobleme, veraltete Produktionsanlagen und -technologien. Fehlende Produktinnovation, keine F&E, uneffiziente Fertigungsprozesse. Fehlende oder gefälschte Zertifikate, keine Flexibilität bei Veränderungen des Marktes. Unrentable, weil zu komplexe Geschäftsbereich-Portfolios. Zunehmende Haftungsrisiken | |
| Marketing und Vertrieb | Fehlendes Marketingkonzept, geringe Marketingkompetenz, große Abhängigkeiten im Vertrieb, Logistikprobleme. |
Kandidaten genau durchleuchten
Da bewertungsrelevante harte Fakten in chinesischen Unternehmen oft nicht ausreichend vorhanden und nicht zuverlässig sind, müssen Investoren die Kreditwürdigkeit über das Umfeld und die Geschichte des Unternehmens rekonstruieren. Das bedeutet, dass Firmenbewertungen in China nicht primär auf den Aussagen des Managements aufgebaut werden, sondern auf verdeckt ermittelten Informationen aus der Umgebung.
In China ist es üblich, im Rahmen einer investigativen Due Diligence auch die Biografien der Firmeninhaber, Aktienbesitzer und Geschäftsführer genau zu durchleuchten. Im Rahmen einer solchen Untersuchung werden Informationen über schlechte Führung oder Strafen des Unternehmens und seiner Manager beschafft. Bei Lieferanten, Partnern, Investoren und Tochterunternehmen werden die Verbindlichkeiten des zu bewertenden Unternehmens ermittelt. Eine Rekonstruktion der Unternehmensgeschichte zeigt, wo sich die Firma heute wirtschaftlich befinden kann. Durch Benchmarks mit Wettbewerbern oder Unternehmen vergleichbarer Branchen oder Regionen werden Daten auf ihre Validität hin geprüft. In ihrem Marktumfeld erscheinen viele chinesische Firmen in einem ganz anderen Licht.
Bei der Einschätzung der Zukunft des Unternehmens werden in der Regel verschiedene Szenarien erstellt und Hypothesen über die Fähigkeiten der Firma aufgestellt. Dabei sind drohende Engpässe in der Energieversorgung, Lücken in der Versorgung mit Rohstoffen, mögliche Restriktionen durch verschärfte Umweltgesetze, steigende Lohnkosten, Preisverfall auf den Absatzmärkten und die Sättigung der Absatzmärkte risikorelevante Parameter. Auf der Basis dieser Bewertung lässt sich dann ein angemessener Kaufpreis ermitteln. Nach dem Vertragsabschluss geht es darum, den Transaktionsprozess sehr sorgfältig zu managen. Nur so können Unternehmenskäufe in China zum Erfolg geführt werden.





