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Der Schutz des Know-how

Der Diebstahl geistigen Eigentums hat in China inzwischen epidemische Ausmaße angenommen. Das wird besonders beim Reverse Engineering, in der ausufernden Produkt- und Markenpiraterie, der Industriespionage und im Eindringen chinesischer Hacker in Computersysteme westlicher Unternehmen sichtbar. Das Problem verschärft sich, weil die Methoden der Wissensdiebe immer raffinierter werden.

Weil gestohlenes Wissen in China nicht nur einmal verwendet wird, sondern meist auch an dritte Unternehmen weiterverkauft wird, entstehen in einem Schneeballeffekt relativ schnell große Zweitmärkte mit billigen Substituten, die auf gestohlenem Wissen basieren. Es sind diese konkurrierenden Billigmärkte, die den Absatz der westlichen Originalhersteller langsam aber sicher aushöhlen bzw. untergraben.

Das Problem der Hersteller ist deshalb nicht nur der gegenwärtige Verlust von Umsatz, der aus den aktuell auf dem chinesischen Markt angebotenen Wettbewerbsprodukten resultiert, sondern der zukünftige Verlust von Umsatz und Marktanteilen durch das Entstehen globaler Billigmärkte mit nachgeahmten Produkten, die das eigene Geschäft schädigen und ruinieren können.

Viele Unternehmen kämpfen beim Schutz ihres Know-hows in China noch in einzelnen Schlachten, ohne den Krieg gewinnen zu können. Sie reagieren nur aus dem Stegreif heraus auf Einzelfälle, weil sie über keine durchgängige Strategie des Know-how-Schutzes verfügen und keine aufeinander abgestimmten Maßnahmen einsetzen. Eine solche nur improvisierende Vorgehensweise macht wenig Sinn, da die wirksame Bekämpfung des Diebstahls von Wissen ein zielorientiertes Vorgehen und einen langfristigen Plan erfordert. Die Aufgabe ist, die vielfältigen operativen Schutzmaßnahmen zu bündeln, um ihre Wirkungen in eine bestimmte Richtung lenken und verstärken zu können.

Kein Unternehmen kann sich in China vollständig gegen einen Angriff auf sein geistiges Eigentum schützen. Es kann aber die Barrieren gegen den Verlust von Know-how derart erhöhen, dass der Diebstahl von Wissen zu aufwendig, zu teuer oder zu riskant wird. Es kommt darauf an, die Arbeit der Wissensdiebe derart zu erschweren, dass sie den Angriff auf fremdes Know-how gar nicht erst beginnen oder ihn wieder aufgeben. Eine solche starke und nachhaltige Blockade ist nur durch ein umfassendes System des Schutzes geistigen Eigentums möglich, das es dem Unternehmen erlaubt, in allen relevanten Bereichen ausreichend Widerstand und Abwehr aufzubauen.