Wettbewerbsstrategie
Der chinesische
Markt zeigt alle Kennzeichen des Hyperwettbewerbs, nämlich
Dynamik, Komplexität und Evolution. Die Randbedingungen des
Wettbewerbs ändern sehr schnell. Zeitliche
Verzögerungen zwischen unternehmerischen Aktionen und
Reaktionen sind gering, und Änderungen der Parameter
führen sofort zu neuen Ergebnissen. Die Dinge schwingen sich
schnell ein.
Bereits kleine
Änderungen in der komplexen Anbieterstruktur können
zu einem völlig unterschiedlichen Verlauf der Marktentwicklung
führen. Diese Komplexität macht es Managern in China
schwer, fundierte Entscheidungen zu treffen. Mentale
Entscheidungsmodelle aus dem Westen versagen hier, weil sie auf
vereinfachten und linearen Wirkungsbeziehungen beruhen, die komplexe
und kontextabhängige Entscheidungssituationen nicht mehr
angemessen erfassen können.
Verteidigung von
Wettbewerbsvorteilen
In China erwachsen
Wettbewerbsvorteile oft aus der Fähigkeit, schnell und
entschlossen zu reagieren. Das gilt besonders für Branchen,
die stark von Konsumententrends, technologischen Innovationen
oder
Konsolidierungen beeinflusst werden. Unternehmen müssen
deshalb verstärkt auf die schnelle Erneuerung ihrer
Wettbewerbsvorteile achten, weil die Vorteile im chinesischen Markt
schnell erodieren. Der Prozess der Aushöhlung läuft
schneller ab als in trägen und stabilen Märkten.
Hier setzen
dynamische Wettbewerbsstrategien an. Anstatt einen scheinbar
unangreifbaren statischen Vorsprung aufzubauen, schaffen sie lernende
und bewegliche Organisationen, die unablässig nach neuen
Vorteilsquellen suchen. Die Unternehmen erfinden sich ständig
neu. Sie bauen ihre Ressourcen und Positionen ständig aus,
während sie ihre Konkurrenten gleichzeitig daran hindern,
diese zu untergraben.
Dynamische
Wettbewerbsstrategie
Eine dynamische
Wettbewerbsstrategie muss sicherstellen, dass das aktuelle
Marktpotential ausgeschöpft wird, gleichzeitig aber auch neue
Produkte, Dienstleistungen, Vertriebswege oder
Geschäftsmodelle generiert werden. Es kommt darauf an,
permanent Änderungspotential aufzubauen. Dabei sollen
Handlungsoptionen möglichst lange offengehalten werden, um zu
einem späten Zeitpunkt, wenn sich das Eintreten eines
bestimmten Szenarios klar abzeichnet, immer noch auf die dann optimale
Strategievariante wechseln zu können.
Es kommt darauf an,
strategisch beweglich zu bleiben und das Unternehmen auch kurzfristig
manövrierfähig zu halten. Das
Manövrierpotential muss permanent vorgehalten werden, da im
chinesischen Hyperwettbewerb nicht erst im Bedarfsfall mit seinem
Aufbau begonnen werden kann.
Entwicklung
dynamischer Wettbewerbsstrategien
Um eine effektive
dynamische Wettbewerbsstrategie entwickeln zu können,
müssen westliche Manager die chinesische Wettbewerbsarena und
die Voraussetzungen dafür, neue Wettbewerbsvorteile zu
generieren, erkennen können. Sie müssen in der Lage
sein, gegnerische Schritte zu antizipieren, die eigenen Optionen im
Wettbewerb kennen und den möglichen Einfluss einer
gewählten Strategie analysieren.
Die
Effektivität einer gewählten Strategie wird auf
vielen chinesischen Märkten heute nicht mehr durch den ersten
Schritt und durch zentrale strategische Weichenstellungen bestimmt,
sondern vor allem durch die Fähigkeit des Unternehmens, die
veränderten Kundenerwartungen und die Aktionen und Reaktionen
der Konkurrenz über die Zeit hinweg rechtzeitig zu
antizipieren und sich darauf einzustellen.
Der Erfolg einer
Strategie hängt davon ab, wie schnell und kompetent sich ein
Unternehmen den Veränderungen innerhalb des dynamischen Umfeld
des Wettbewerbs stellt. Zu diesem Wettbewerbsumfeld gehören in
China nicht zuletzt neue Regulationen, innovative Technologien,
veränderte Anforderungen der Kunden und Verbraucher sowie neu
auftretende Wettbewerber – auch in Gestalt von Nachahmern.
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